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Swiss-Strip | Tagesanzeiger Zürich

Swiss Strip

 

Gregor Schenker

 


 

Arbeitslose Männer ziehen sich aus. Kennen wir aus dem Film «The Full Monty». Kann diese Story eingeschweizert werden? Ein Probenbesuch.

 

 

Sind er (Andy Nzekwu, l.) und sein Staubsauger sexy genug für die Frau? Bild: Christian Knecht

 

 

Ist es das, was Frauen sexy finden? Ein Mann (Andy Nzekwu) mit Schürze und Gummihandschuh tanzt auf der Bühne mit einem Staubsauger, dazu läuft «I’m Too Sexy» von Right Said Fred. So weit, so gut. Als er aber ein Bügelbrett hinzuholt, klemmt er sich erst den Finger ein und stolpert dann über das Gerät. «Ich bin froh, dass ich hier nur die Regie machen muss», sagt Oscar Sales Bingisser und lacht. «Ich selbst hätte Hemmungen, mich auszuziehen.»

 

Das Stück dreht sich um sechs Männer, die sich zu einer Striptease-Truppe zusammentun. Sie sind gewissermassen ein Gegenentwurf zu den Chippendales, also dick, alt oder schmalbrüstig. Und sie haben keine Arbeit. So versuchen sie es halt mit dem Strippen und landen damit wider Erwarten einen Hit. Die Handlung kennen die meisten aus dem Film «The Full Monty» (1997), eine Art inoffizielle Adaption des Stückes «Ladies Night» (1987) – dessen Auto­ren klagten seinerzeit, Filmer und Theatermacher einigten sich am Ende aussergerichtlich.

 

Regisseur Bingisser hat das Stück 2006 auf Schweizerdeutsch übersetzt und für Zürcher Verhältnisse adaptiert; die aktuelle Version ist ein Update mit teils neuen Darstellern und Stripnummern. Aber im Finale treten die Anti-Chippendales immer noch in originalen Swissair-Uniformen auf. «Die beste Freundin meiner Frau wuchs in Kloten auf, ihr Vater arbeitete bei der Swissair. Sie kennt die Leute von klein auf», erzählt Bingisser. «Sie ist dann wirklich von Tür zu Tür gegangen und hat die Piloten nach ihren Uniformen gefragt.»

 

Am Stoff mag Oscar Sales Bingisser, dass es nicht nur um Schenkelklopfer geht, sondern auch um die tragischen Seiten der Figuren. «Sie sind arme Siechen – machen aber noch einmal etwas aus ihrem Leben.»

 

 

Züritipp, 02.05.2018